Geschichtliche Entwicklung der Rummelsburger Bucht

Stralauer Fischzug
Fest "Stralauer See"

Die Siedlungsgeschichte am Rummelsburger See ist alt und begann vermutlich schon in der Steinzeit. Im Jahr 1240 wurde Stralau das erste Mal urkundlich erwähnt und war bis in das 14. Jahrhundert ein an der heutigen Dorfkirche gelegenes Fischerdorf, das dann aber aufgrund regelmäßiger Überschwemmungen nach Norden verlegt wurde. Die Fischerei prägte Stralau über viele Jahrhunderte; die große Bedeutung des Fischereiwesens fand beispielsweise im „Stralauer Fischzug“ Ausdruck, einem bekannten Volksfest, das seit 1574 gefeiert wurde.

Ab dem 19. Jahrhundert wandelte sich die Rummelsburger Bucht zu einem stadtnahen Erholungs- und Wassersportgebiet. Segel-, Ruder- und Anglervereine siedelten sich an und auch zahlreiche gastronomische Betriebe eröffneten, um die immer zahlreicher werdenden Ausflügler aufzunehmen.

Schließlich wurde Stralau auch als Wohnort entdeckt: Villen, Sommer- und Wochenendhäuser wurden gebaut und die Einwohnerzahl stieg deutlich an.

Am Nordufer des Rummelsburger Sees befand sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ein flächendeckendes Waldgebiet. Als einzige Siedlung existierte die 1775 gegründete Kolonie Rummelsburg, die nur aus wenigen Kolonistenhäusern bestand. Im Jahr 1889 wurde sie mit der Kolonie Boxhagen zur eigenständigen Landgemeinde Boxhagen-Rummelsburg zusammengelegt und 1912 schließlich in die Stadt Lichtenberg eingemeindet.

Luftbild 1930
Luftbild Stralau 1930

Seit Beginn der Gründerzeit in den 1870er Jahren nahm auch an der Rummelsburger Bucht die Industrialisierung zu. Deren Schwerpunkte lagen im heutigen Quartier Stralau und im südöstlichen Teil des Nordufers des Rummelsburger Sees, im Bereich des heutigen Gewerbeparks Klingenberg. Die industrielle Nutzung drängte die Erholungsbetriebe immer weiter zurück. Noch bis zum Ersten Weltkrieg blieben Stralau und Rummelsburg ein wichtiges Erholungsgebiet für Berlin, das dann aber endgültig der gewerblichen und industriellen Nutzung weichen musste. Vom Wassersport verblieben wenige Bootswerften an der Inselspitze von Stralau.

Im Jahr 1920 wurde die Stadt Lichtenberg nach Groß-Berlin eingemeindet. Zum neuen Bezirk Lichtenberg gehörte nun auch Stralau, das zuvor eine eigenständige Gemeinde im Kreis Niederbarnim gewesen war. Die Rummelsburger Bucht wurde weiter als Industriestandort ausgebaut.

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs – betroffen waren viele Wohngebäude, Werften, ein Großteil der Stralauer Glashütte und das Waisenhaus – wurde mit dem Wiederaufbau der Industriestandort Rummelsburg weiterentwickelt. Das Gebiet wurde mit Betrieben der Chemie- und Elektroindustrie, der Engelhardt-Brauerei und dem Stralauer Glaswerk zu einem wichtigen Berliner Industrie- und Energiestandort (Kraftwerk Klingenberg). Die Schifffahrt behielt mit Werftbetrieben und Binnenreedereien weiterhin ihren Platz auf Stralau. Auch Gebäude der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit lagen am Rummelsburger See. Ein großes und wichtiges Gebäude-Ensemble war darüber hinaus die östlich des Sees gelegene Haftanstalt Rummelsburg.

Richtung Wasserturm aus Stralau 1995
Blick Richtung Wasserturm von Stralau, 1995 (c) Wasserstadt GmbH

Nach 1990 wurde der Großteil der Industrieanlagen stillgelegt, das Gefängnis geschlossen und zahlreiche (Industrie-)Bauten unter Denkmalschutz gestellt.

Neben der Rummelsburger Bucht ist der Bahnhof Ostkreuz ein Areal, von dem das Plangebiet entscheidend geprägt wird. Die Station wurde Anfang 1882 als Bahnhof Stralau-Rummelsburg in Betrieb genommen und war Umsteigebahnhof zwischen Ringbahn und Vorortbahn. Ab 1923 entstanden die prägende Fußgängerbrücke mit den beiden Empfangsgebäuden Süd und Nord, entworfen vom Architekten Richard Brademann. Im Jahr 1933 wurde die Station in „Ostkreuz“ umbenannt.

Ostkreuz vor Umbau
S-Bahnhof Ostkreuz in den 1990er Jahren

Der Bahnhof Ostkreuz war stets ein wichtiger Umsteigebahnhof und Knotenpunkt des Berliner Schienenverkehrs. Pläne zur umfassenden Sanierung und Kapazitätserweiterung gab es seit den 1930er Jahren immer wieder, sie konnten jedoch nicht ausgeführt werden. Nach 1945 nahm das Ostkreuz in seiner Bedeutung weiter zu und entwickelte sich zu einem der größten Berliner Umsteigebahnhöfe, verfiel im Laufe der Jahre jedoch zusehends. Wichtige Erhaltungs- und Erweiterungsmaßnahmen blieben aus, bis der Bahnhof schließlich stark sanierungsbedürftig war. 1995 wurde das Bahnhofsensemble unter Denkmalschutz gestellt.

Nach 1990 begannen erneut Planungen zum Umbau des Bahnhofs Ostkreuz. Seit 2007 wird der Bahnhof bei laufendem Betrieb grundlegend umgebaut, der Abschluss der Bauarbeiten ist für 2018 vorgesehen. Im Zuge des Bahnhofum- bzw. -neubaus werden auch Anbindungen und Zugänge zu den umliegenden Stadtquartieren geschaffen und das Ostkreuz so besser mit seiner Umgebung verknüpft.

Quellen:
-Wasserstadt GmbH (Hrsg.): Wasser in der Stadt. Perspektiven einer neuen Urbanität, Berlin 2000.
-Butter/Kirsche/Preuß: Berlin Ostkreuz. Die Drehscheibe des S-Bahn-Verkehrs, München 2000.

Artikel entnommen aus: www.Bebauungsplan-Ostkreuz.de
(www.bebauungsplan-ostkreuz.de) am